Als sich Anfang der 2000er Jahre langsam, aber sicher die digitale Fotografie durchsetzte, wurde mir praktisch vorgeführt, dass die analoge Fotografie vor einem radikalen, technischen Wandel stand. In der „Graphischen“, die ich damals besuchte, wurden alle analogen Dunkelkammern ausgeräumt und schonungslos entsorgt. Aus diesem Grund begann ich bereits 2006 damit analoges Fotomaterial zu sammeln und zu kaufen. Anfangs fokussierte ich mich auf Kameras, Objektive und Dunkelkammer-Einrichtungen. Als ich auf einem Flohmarkt einen Koffer mit alten Farbdias entdeckte, wurde mir bewusst, dass auch die alten Ansichten gnadenlos vor der Unwiederbringlichkeit standen. Ich kaufte den Koffer, ohne zu wissen was mich erwartete. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr Dias, Glasplatten und Negative mit alten Ansichten. Meine Freunde und Bekannten schenkten mir umfangreiche Sammlungen mit altem Fotomaterial. Irgendwann gingen mir der Platz und die Zeit für meine „Rettungsaktionen“ aus. Heute besitze ich rund 10.000 Negative, Glasplatten und Dias.
Das Durchschauen des analogen Fotomaterials ist zugegeben eine Mischung aus Voyeurismus, Emotion und Faszination. Am meisten begeistert mich dabei, dass die ursprünglichste Eigenschaft der Fotografie immer wieder deutlich wird: das Wecken von Erinnerungen und Emotionen. Ich behaupte, dass es ganz sicher kein besseres Medium als die Fotografie gibt, um das Leben für immer festzuhalten.
Die Bilder, die ich für diese Ausstellung ausgesucht habe, sind für mich besonders sehenswert. Aufgrund der Beobachter*innen-Perspektive der Fotografin/des Fotografen wirken die Fotos wie übertragbare Muster. Das ist für mich deshalb so bemerkenswert, weil die Fotos auf das Leben einer österreichischen Familie übertragbar sind. Sofort verbindet die Betrachterin/der Betrachter eine eigene Erinnerung damit. Einmal mehr zeigt sich die unvergleichliche Kraft und Einzigartigkeit der Fotografie.
